Stadtansichten sind ein klassisches Genre und existieren für die meisten europäischen Städte frühestens seit dem 15. Jahrhundert. Auch die Stadt Luxemburg und ihre Festung sind ab dem 16. Jahrhundert vielfach dargestellt worden. Die Sammlung des Lëtzebuerg City Museum enthält viele solcher Ansichten, und dazu zahlreiche künstlerische Interpretationen des Stadtbildes. City Visions nähert sich dem Thema auf spielerische Weise, als visuelles Erlebnis der sich über die Jahrhunderte hinweg verändernden Stadt und der unterschiedlichsten Sichtweisen darauf.

Das Museum präsentiert eine Auswahl aus den eigenen Beständen, bei der der Fokus auf den „Visionen“ der Stadt Luxemburg in diversen historischen Epochen liegt – von der frühneuzeitlichen Stadtvedute über pittoreske Stadtlandschaften bis hin zu abstrakten Graffiti. Viele der gezeigten Drucke und Kunstwerke verlassen zum ersten Mal das Museumsdepot.

Zu Beginn werden frühe Druckgrafiken (17./18. Jh.) gezeigt: panoramische Ansichten, frühe Stadtpläne oder auch Flugblätter, die die Stadt als Hintergrund historischer Ereignisse zeigen. Anschließend wird die Festung im Bild thematisiert, mit einem Schwerpunkt auf Jean-Baptiste Fresez (1800–1867). In der Moderne verändern dann Brücken und Viadukte das charakteristische Erscheinungsbild der Stadt. Die Sicht des unermüdlichen Aquarellisten Sosthène Weis (1872–1941) auf Luxemburg lernen die Besucher*innen dann neu in Form einer interaktiven Projektion kennen, ehe sich die Schau der Präsenz der Natur im städtischen Raum widmet. Ein weiterer Themenraum stellt die Stadt in der modernen Kunst sowie Zukunftsvisionen vor, worauf zeitgenössische Stadtvisionen folgen, die nur noch einen indirekten Bezug zum Gegenstand aufweisen und dadurch neue Perspektiven eröffnen. Am Ende der Ausstellung zeigt ein „City Lab“ wechselnde Präsentationen, die in Zusammenarbeit mit Partnern aus der städtischen Zivilgesellschaft entstehen.

City Visions möchte die Besucher*innen dazu einladen, in einen Dialog mit den Ausstellungsstücken zu treten und enthält dementsprechend viele Angebote zum Mitmachen für Groß und Klein, darunter ein Suchspiel mit Lupe, Kunststoff-Klemmbausteine und eine Holz-Eisenbahn, Tastmodelle, Magnetbilder, ein 5-teiliges Stempelbild zum Selbermachen, Zaubertafeln, analoge und digitale Malstationen oder Puzzles sowie ein ‚Creative Studio‘ zur Herstellung einer eigenen Postkarte.

Rund um ein abwechslungsreiches Panoptikum an Darstellungen der Stadt Luxemburg und mit einem Schwerpunkt auf Interaktivität lädt diese „etwas andere“ Ausstellung zu einem unterhaltsamen, neugierig machenden und gleichzeitig lehrreichen Besuch ein.

Cityvisions Photo Challenge
Auf cityvisions.lu, haben wir die genauen Standorte ermittelt, von wo aus die Stadtansichten in unserer Ausstellung entstanden sind – jetzt seid ihr dran! Nutzt die GPS-Koordinaten, sucht diese Orte auf und macht euer eigenes Foto aus derselben Perspektive. Teilt eure “Vision” mit uns!
Cityvision.lu

+++ Neu: City Lab 3.0+++
Installation “Then, there & them”
> 17.1.2027


Im Rahmen der Luxembourg Pride Week (2.–11. Juli) präsentieren das Lëtzebuerg City Museum und das Rainbow Center gemeinsam eine Installation zum Thema Queerness. Das ausgestellte Projekt mit dem Titel Then, There & Them ist das Ergebnis einer Künstlergruppe unter der Leitung der Künstlerin Leire de Meer.

Im Mittelpunkt der Installation steht die Inszenierung eines Picknicks: Die Reste einer Mahlzeit liegen verstreut auf einer Decke. Von der Decke hängen Masken, und ein großes Kochbuch auf einem Tisch lädt die Besucherinnen und Besucher dazu ein, es aufzuschlagen. Eine Gruppe queerer Menschen hat sich verkleidet, um sich in die Welt hinauszuwagen und sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Was offenbart sich, wenn wir unsere Gesichter verbergen? Hier widersetzen sich queere Körper einem vereinnahmenden Blick, der sie einordnen und kategorisieren möchte.

Der Titel des Projekts ist von dem Queerness-Begriff des Theoretikers José Esteban Muñoz inspiriert. Er versteht Queerness als den Versuch, sich eine Zukunft jenseits der Leiden der Gegenwart vorzustellen – ein mögliches „Then“ und „There“. „Them“ verweist auf die queere Gemeinschaft und spielt zugleich mit dem geschlechtsneutralen englischen Pronomen, das sowohl im Singular als auch im Plural verwendet werden kann.

Die Installation ist im Bereich City Lab der Ausstellung City Visions zu sehen. Dieses experimentelle Format wird jeweils von einer anderen Gemeinschaft von Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohnern gestaltet. Das Museum entfernt sich dabei von seiner traditionellen Rolle als alleinige Erzählinstanz und übernimmt stattdessen die Funktion eines „Facilitators“, wodurch die beteiligten Gemeinschaften ihre eigenen Begriffe, ihre eigenen Geschichten und ihre eigenen Ausdrucksformen selbst bestimmen können.



photo: Magali Medinger

Datum

9. Mai > 17. Januar 2027