Verschwörungstheorien kursieren seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie und den dagegen getroffenen Maßnahmen in einem bislang ungekannten Ausmaß und sind zu einem beherrschenden Thema im öffentlichen Diskurs geworden. „Alternative“ Internet-Medien und thematische social media-Gruppen überzeugen vermehrt Menschen davon, dass hinter gesellschaftlichen Krisen geheime und einflussreiche Kräfte am Werk seien, die aus Eigeninteresse die Bevölkerung manipulierten.

Dabei sind Verschwörungstheorien beileibe kein neues Phänomen. In der Geschichte der Menschheit tauchen sie immer wieder auf, und manche Schuldzuweisungen bestehen über Jahrhunderte hinweg bis heute. In historischer Perspektive untersucht die erstmals 2019 von der Stiftung Kloster Dalheim (D) gezeigte Ausstellung Entstehung, Funktionsweise und Ausbreitung von Verschwörungstheorien.

In Mittelalter und Früher Neuzeit prägt der Glaube das Verschwörungsdenken: religiöse Minderheiten wie die Juden und später die vermeintlichen „Hexen“ gelten als Verbündete des Teufels, die dem Christentum Schaden zufügen wollen. Im Zeitalter der Aufklärung (18. Jahrhundert) werden die Geheimbünde der Freimaurer und Illuminaten als Drahtzieher der politischen und sozialen Umwälzungen diffamiert. In der jüngeren Geschichte vereinnahmen politische Ideologien den Verschwörungsglauben: Während die Nationalsozialisten eine jüdische Weltverschwörung propagieren, nutzt die stalinistische Sowjetunion die Angst vor angeblichen Verrätern als Instrument des Machterhalts. Während des Kalten Krieges verdächtigt man auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs den Gegner subversiver Aktionen, was in den USA eine starke Ausprägung in der von Senator McCarthy befeuerten „Roten Angst“ findet.

Das späte 20. und das 21. Jahrhundert haben eine Fülle an verschwörerischen Unterstellungen hervorgebracht, denen gemeinsam ist, dass sie die Komplexität der modernen Welt auf scheinbar einfache Erklärungen reduzieren. So sollen die Machteliten nicht nur die Mondlandung inszeniert haben und hinter politischen Katastrophen wie dem Kennedy-Attentat oder den Anschlägen vom 11. September 2001 stecken, sondern auch in das Leben jedes Einzelnen eingreifen: mittels schädlicher Strichcodes auf Verpackungen, giftiger „Chemtrails“ am Himmel oder gesundheitsgefährdender Impfungen.

Eine Sektion der Ausstellung widmet sich spezifisch luxemburgischen Beispielen, die mit der „Pulververschwörung“ in der Festung des 18. Jahrhunderts einsetzen und sich in jüngerer Zeit auf angebliche Machenschaften am Finanzplatz beziehen („Clearstream-Affäre“).

Mit der exponat- und themenreichen, rund 700 Jahre Verschwörungsdenken umspannenden Schau möchte das Museum einen Beitrag zu einem hochaktuellen und gesellschaftlich relevanten Thema leisten sowie eine Hilfestellung für die im Internetzeitalter besonders wichtige Unterscheidung von Fakt und Fiktion geben.

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Date

26. März > 16. Januar 2022